Wo einst riesige Tagebaulandschaften das Bild bestimmten, entsteht heute ein einzigartiges Wasserparadies: Das Lausitzer Seenland verbindet fünf Tagebauseen zu einem zusammenhängenden Revier und eröffnet ab Juni 2026 völlig neue Möglichkeiten für den Wassertourismus.
Eine der größten künstlichen Wasserlandschaften Europas wächst hier heran: Fünf Seen, die aus gefluteten Braunkohletagebauen entstanden sind, werden über schiffbare Kanäle miteinander verbunden. Auf rund 5.300 Hektar entsteht ein durchgehend befahrbares Netzwerk für Wassersport und Entdeckungstouren.
Das Netz schließt sich
Das fehlende Stück im Netz
Zwei Kanäle verbinden die Seen bereits seit einigen Jahren: Der Koschener Kanal verknüpft den Senftenberger mit dem Geierswalder See, der Barbara-Kanal führt weiter zum Partwitzer See. Das Grundgerüst stand. Was fehlte, war die Mitte.
Genau diese Lücke schließen nun drei neue Wasserstraßen. Der Sornoer Kanal verbindet den Sedlitzer See mit dem Geierswalder See, der Rosendorfer Kanal zieht eine Linie zum Partwitzer See. Und dann ist da noch der Ilse Kanal, eine Ingenieursleistung mit einem besonderen Kunststück: Er unterquert sowohl Bahnstrecken als auch eine Bundesstraße, bevor er den Sedlitzer See mit dem Großräschener See verbindet. Ab Sommer 2026 ist das vollständige Netz befahrbar, ohne ein einziges Mal das Boot umsetzen zu müssen.
Die Eröffnung der Seenkette wird am 29. Juni mit einem Festakt am Sedlitzer See sowie einer großen Challenge an allen Seeufern gefeiert. Es sollen möglichst viele Personen zum gleichzeitigen Baden in den Seen animiert werden. Der Tourismusverband hat für die Challenge bereits 10.000 Badekappen geordert.
Der Sedlitzer See: Herz des Wanderreviers
Mit rund 1.400 Hektar ist der Sedlitzer See der größte der fünf Seen und künftig der zentrale Knotenpunkt für alle, die das Netz erkunden wollen. Ende April 2026 öffnet er für Baden und Bootfahren, im Juni 2026 folgt die volle Anbindung. Drei Kanäle führen von hier aus in verschiedene Richtungen. Wer hier seinen Törn beginnt, hat das gesamte Wanderrevier vor sich und wer den See in diesen ersten Wochen besucht, erlebt ihn in einem frühen Stadium: Häfen, Strände und Bootsanleger befinden sich noch im Aufbau, die touristische Infrastruktur wächst schrittweise nach.
50 Kilometer Wasser – ohne Umsetzen

Das ist das Versprechen, das dieses Revier von anderen unterscheidet: Eine durchgehende Rundtour über 50 Kilometer, die sich in vier bis fünf entspannten Tagen paddeln, fahren oder segeln lässt, mit Stopps an Marinas, Badestellen und kleinen Häfen. Keine Unterbrechung, kein Umtragen, kein Trailern.
Die Strecke wechselt dabei ständig den Charakter: weite offene Seeflächen, auf denen der Wind Wellen aufwirft, wechseln sich ab mit stillen, kanalartigen Passagen zwischen Schilf und Birken. Genau diese Abwechslung macht das Lausitzer Seenland zu einem echten Wasserwanderrevier und nicht bloß zu einer Ansammlung von Badeseen.
Segler sollten beachten, dass der Mast für Schleusen, Brücken und Tunnelpassagen gelegt werden können muss. Hausboot- und Motorbootfahrer sowie Paddler haben keinerlei Einschränkungen. An Land ergänzt ein gut ausgebautes Radwegenetz das Angebot, wer tagsüber paddelt, kann den Abend auf dem Fahrrad verbringen.
Neue Natur auf altem Bergbauland
Was auf den ersten Blick wie eine rein touristische Infrastruktur wirkt, hat auch eine ökologische Dimension. In den Jahrzehnten seit der Flutung haben sich an den Ufern der Seen weitläufige Feuchtgebiete und Sukzessionsflächen entwickelt, die inzwischen als Rückzugsraum für zahlreiche Vogelarten gelten, darunter Eisvögel, Fischadler und verschiedene Limikolenarten. Die Uferstrukturen sind je nach See sehr unterschiedlich: Während einige Abschnitte bereits begrünt und bewachsen sind, zeigen andere noch den kargen, sandigen Charakter des ehemaligen Tagebaus. Diese Vielfalt macht das Gebiet auch für Naturbeobachter und Fotografen interessant, besonders außerhalb der Hauptsaison.
Die fünf Seen im Überblick
| See | Fläche | Rolle im Verbund | Verbindung |
|---|---|---|---|
| Senftenberger See | ca. 1.300 ha | Nordwestlicher Ausgangspunkt | Koschener Kanal |
| Geierswalder See | ca. 530 ha | Knotenpunkt der älteren Kanäle | Koschener Kanal, Barbara-Kanal, Sornoer Kanal |
| Sedlitzer See | ca. 1.400 ha | Zentraler Knotenpunkt ab 2026 | Sornoer, Rosendorfer & Ilse Kanal |
| Partwitzer See | ca. 900 ha | Südliche Verbindung | Barbara-Kanal, Rosendorfer Kanal |
| Großräschener See | ca. 500 ha | Südöstlicher Ausgangspunkt | Ilse Kanal |
| ca. 5.300 ha | 5 Kanäle, 50 km Rundtour |







